Schwarmtrieb

„Am Anfang des Schwarmprozesses steht ein Auflösungsprozess des Muttervolkes der sich schrittweise vollzieht und im Abgang des Schwarmes seinen offenkundigen Höhepunkt hat.“
Thomas Radetzki, Mellifera e.V.
Foto: Marc McBride Jeder Imker, der schwärmende Honigbienen hautnah erlebt, wird diesen Augenblick nicht vergessen. Ein scheinbar chaotisches Verhalten, dass sich jedoch nach kurzer Zeit in eine statisch günstige Form verwandelt: die Schwarmtraube.
Die Volksteilung stellt für die Bienen einen immensen Organisationsaufwand dar – Vorbereitung der Königinnen-Zellen, Pflege der Zellen und der Königinnen-Larven, Bestimmung des Schwärmzeitpunkts, Organisation im Schwarmflug, Nestsuche und letztendlich der Umzug zu einer neuen Behausung.
Der Schwarmtrieb wird nach der Winterruhe durch eine starke Volksentwicklung im Frühjahr initiiert. Dabei ist die Vermehrungsrate durch viele Faktoren bestimmt: Verfügbarkeit von Nahrungsquellen, die Bedingungen, um die Brut in der Behausung auf 35 °C zu temperieren, das Alter der Königin (junge Königinnen legen im Gegensatz zu älteren gewöhnlich mehr Eier), Behausungsgröße und Gesundheitszustand (Seeley & Morse 1982). Nicht zuletzt spielen das Mikroklima und die Witterungsbedingungen im Frühjahr eine wichtige Rolle für den Schwarmtrieb. Im Gegensatz zur Witterung und zum Klima kann der Imker selbst das Mikroklima, bzw. den Standort des Bienenstandes bestimmen.

Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeitshaushalt und Windbedingungen stellen mikroklimatische Faktoren dar, die die Frühjahrsentwicklung eines Bienenvolkes positiv als auch negativ beeinflussen können. In größerem Maßstab ist allerdings das Klima an einem Standort dafür verantwortlich, ab wann Frühblüher wie Sal-Weide und Kornelkirsche den Bienen als Nahrungsquelle zur Verfügung stehen und günstige Außentemperaturen zur Volksentwicklung herrschen.

Dem Schwarmtrieb auf der Spur
In Anlehnung an eine Forschungsarbeit der Arbeitsgruppe um Prof. Thomas D. Seeley hat das Projekt Klimabiene die Untersuchung der Witterung bzw. des Klimas auf das Schwarmverhalten der Honigbiene zum Ziel. Damals wurden 235 Schwärme zwischen 1971 und 1976 protokoliert:

Schwarmereignisse (n=235) in Ithaca, New York, USA, im Zeitraum von 1971-1976 (Fell et al. 1977)

Die Schwarmdaten bilden eine bimodale (zweigipflige) Verteilung zwischen Mai und September. Ein erstes Maximum lag etwa in den ersten beiden Juni-Wochen, eine zweite, jedoch schwächere Häufung von Schwärmen trat Ende August, Anfang September auf.

Schwarmdaten… aber woher?
Die Daten für die oben beschriebene Forschungsarbeit wurden von Imkern und gleichermaßen von Polizei- und Feuerwehrstellen erhoben. Da der Schwarmtrieb von vielen Faktoren abhängt, ist die Wissenschaft darauf angewiesen, möglichst viele Schwarmereignisse (hohe Stichprobenanzahl) auszuwerten, um Aussagen zu treffen, die repräsentativ für alle Schwärme (in Deutschland) stehen. Die vorliegende Studie weist allerdings eine geringe Stichprobenmenge auf, nur etwa 40 Schwärme wurden jährlich erfasst.

Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes gibt es in Deutschland ca. 94.000 Imker mit etwa 750.000 Bienenvölkern (geschätzte Zahlen, Stand Ende 2011). Nicht viele von diesen 94.000 Imkern arbeiten aktiv mit dem Schwarmtrieb, sondern unterdrücken ihn bewusst, jedoch zeigt die Anzahl an existierenden Bienenvölkern das Potential von Schwarmuntersuchungen.

Im Projekt Klimabiene werden Daten zu Schwarmereignissen bundesweit erhoben. Nur zwei Daten sind dabei von Bedeutung:  (1) das Datum des Schwarmfunds bzw. der Schwarmbeobachtung und (2) der entsprechende Standort in Deutschland.

→ Ausblick →

Quellen

  • Fell RD, Ambrose JT, Burgett DM, De Jong D, Morse RA and TD Seeley (1977). The seasonal cycle of swarming in honeybees. Journal of Apicultural Research 16(4): 170-173.
  • Seeley, TD, RA Morse (1982). Bait hives for honey bees. Information Bulletin No. 187, Cornell Cooperative Extension Publication, 6 pp.
  • Vielen Dank, Schwarmbörse!

    Die Schwarmbörse von Mellifera e.V. hat unserem Projekt die technischen Voraussetzungen geschafft, Schwärme zu erfassen.
    Neu: Bei einer Vermittlung eines Naturschwarms über die Schwarmbörse können Sie eine Aufwandsentschädigung von bis zu EUR 100,- verlangen und unterstützen dabei besonders Anfänger und Naturbau-Imker.